Zwischen früher deutscher Soziologie und Zionismus. Utopie und Gemeinschaft in der politischen und sozialen Theorie von Franz Oppenheimer und Martin Buber

von Dekel Peretz

Ziel dieser Dissertation ist, einen Beitrag zur Beleuchtung der komplexen Identität deutsch-jüdischer Intellektueller zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts zu leisten. Als deutsche Juden um die Jahrhundertwende fühlten Oppenheimer und Buber sich einerseits der deutschen Kultur zugehörig, waren sich jedoch durch ihre Umgebung beziehungsweise durch eigenes Empfinden ihres Andersseins bewusst. Die Dissertation beginnt mit einer Analyse der Zugehörigkeits- und Abgrenzungsmechanismen in der Sozialphilosophie Bubers und Oppenheimers im Kontext der frühen deutschen Soziologie anhand des Schlüsselbegriffs „Gemeinschaft”. Wenngleich aus verschiedenen Perspektiven und mit anderen methodischen Ansätzen, suchten beide nach einem Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus, zwischen der solipsistischen Existenz in der Moderne und dem kalten zentralistischen Staat mit seinem fremdenfeindlichen Nationalismus. Dieser dritte Weg heißt „Gemeinschaft“.

Trotz ihrer unterschiedlichen Herangehensweise waren sich Oppenheimer und Buber bei der großen Bedeutung einig, die sie der Verwirklichung ihrer Utopien beimaßen. Lässt sich aber Utopie, wörtlich der „Nicht-Ort“, überhaupt verwirklichen? Wenn man von der von den Autoren selbst zitierten Absicht der Verwirklichung ausgeht, muss man sich fragen, wo sie ihre Utopien verwirklichen wollten. War das Ziel, sie an dem gegenwärtigen Ort zu verwirklichen oder glaubten sie, Utopien ließen sich nur in einem „Raum ohne Volk“ in die Tat umsetzen? Um dieser Frage nachzugehen, soll das Engagement der Autoren sowohl innerhalb ihrer bestehenden Gesellschaft als auch für die Verwirklichung einer fernab gelegenen Utopie, des Judenstaats, genauer betrachtet werden.

In diesem Zusammenhang soll untersucht werden, inwiefern die Erfahrungen Oppenheimers und Bubers mit Antisemitismus ihre Vorstellung von Völkerverständigung in Palästina beeinflusste. Mit ihrer Philosophie und in ihrem Leben setzten sich Oppenheimer und Buber für die Überwindung der konstruierten Grenzen zwischen Menschen ein. Zudem wird analysiert, wie zwei Denker, die der Idee eines Staates, vielleicht aufgrund ihrer Erfahrung als Juden, kritisch gegenüberstanden, eine Alternative im Judenstaat sahen.

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