Spontane Ordnung – Ordnung der Spontaneität. Kritik des Spontaneitätsbegriffs bei Friedrich August von Hayek

Promotionsprojekt von Clemens Reichhold

Die Arbeit zielt darauf ab durch eine neue genealogische Perspektive auf Hayeks Theorie der „spontanen Ordnung“ Aufschluss über die politische Dimension eines neoliberalen Schlüsselkonzeptes zu gewinnen. Vielmehr als die Erfindung einer einzelnen Person sollen Elemente der Theorie auch in anderen zentralen Texten des Neoliberalismus dargestellt und Bezüge zum klassischen Liberalismus hergestellt werden.

Das Forschungsziel schlägt sich methodisch darin nieder die Perspektive der aktuellen Neoliberalismus-Forschung zu erweitern um den sozialhistorischen Entstehungskontext dieser Ordnungskonzeption. Den untersuchten Kontext bilden neben dabei insbesondere Dynamiken des „organisierten Kapitalismus“, die im Ausgang des 19. Jahrhunderts die Ära des klassischen Liberalismus beenden. Erst vor dem Hintergrund dieser strukturellen Entwicklungen, so eine forschungsleitende Hypothese, wird Hayeks Anklage des Totalitarismus im Zeichen spontaner Vergesellschaftung verstehbar und kritisierbar.

Dicht angelehnt an die Forschungsagenda des Walter Rathenau Kollegs ist die Analyse der Implikationen von Hayeks Theorie der spontanen Ordnung für demokratische Prinzipien. Von besonderem Interesse ist das von Hayek entworfene rechtsstaatlich-liberale Verfassungsmodell und dessen Ausrichtung auf kulturelle Evolution, für Hayek die „Zwillingsidee“ spontaner Ordnung. Diese von Hayek letztlich nur durch den Staat zu verwirklichende kulturelle Evolution, so versucht die Arbeit in Abgrenzung zu rein texthermeneutisch vorgehenden, Mehrdeutigkeiten oft zu Gunsten einer stabilen Autorenintention auflösenden Arbeiten zu zeigen, durchkreuzt seine Option für Spontaneität mit ihrem Gegenteil: Anpassung und Verewigung des Status quo.

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