Partizipation an Diskursen der Europäischen Moderne bei Arnold Zweig und Stefan Zweig

von Jasmin Keller

Meine durch Prof. Dr. Helmut Peitsch (Universität Potsdam) und Prof. Dr. Irmela von der Lühe (FU Berlin) betreute Dissertation folgt der Fragestellung, in welcher Form und mit welchen Standpunkten Arnold und Stefan Zweig zwischen 1914 und 1945 über ihre Publikationen – sowohl literarischen Fiktionen als auch essayistischen und journalistischen Texten – an den Diskursen ihrer Zeit teilgenommen haben. Mein Ziel ist eine neue Evaluation der Rolle beider Schriftsteller in diesen Diskursen sowie eine Bewertung ihrer Zukunftsfähigkeit. Mit diesem Begriff meine ich Aussagen darüber, ob und in welchem Maße Zukunftsvorstellungen, im Sinne von Vorhersagen bzw. Handlungs- und Verhaltensvorschlägen, im Zeitverlauf realisiert worden sind.

Die Arbeit gliedert sich in drei Diskursfelder: Erstens, den vor allem durch Sigmund Freud geprägten psychoanalytischen Diskurs. Zweitens, die Auseinandersetzung mit der Situation und Zukunft des Judentums. Dieser Bereich beinhaltet den Umgang mit Antisemitismus, Positionen zur Frage nach einer jüdischen Identität und Standpunkte zum Zionismus. Das dritte Diskursfeld lässt sich unter dem Begriff der Politik bzw. Gesellschaftskritik zusammenfassen. In diesen Bereich fallen Stellungnahmen zum Ersten Weltkrieg, zur gesellschaftlich-politischen Situation in der Zwischenkriegsphase in Deutschland bzw. Österreich sowie innereuropäisch, zum aufkommenden Nationalsozialismus und schließlich zum Zweiten Weltkrieg. Neben kritischen Äußerungen zur jeweils aktuellen Situation werden auch aufgezeigte Alternativen und Verbesserungsvorschläge sowie die Auseinandersetzung mit der eigenen Exilsituation berücksichtigt. Ein besonderes Augenmerk wird auf den Vergleich der Positionen der Autoren mit liberalen und sozialistischen Ideen gelegt.

Neben dem Ziel, die öffentlichen Stellungnahmen der Autoren aus ihrem Werk herauszuarbeiten und von anderen einschlägigen Beiträgen unter Berücksichtigung von Gemeinsamkeiten ebenso wie Differenzen abzugrenzen, soll auch deren Kohärenz mit nicht-öffentlich geäußerten Aussagen geprüft werden. Zudem soll diese Dissertation, als erste Untersuchung, welche sich umfassend mit Texten beider Autoren beschäftigt, die Verbindung zwischen den beiden oftmals verwechselten oder fälschlicherweise als verwandt betrachteten Zweigs erstmals rekonstruieren und eine vergleichende Gegenüberstellung ihrer Positionen möglich machen

Den theoretischen Rahmen sowie die wesentlichen Inspirationen für den methodischen Ansatz meiner Arbeit bilden Michel Foucaults Diskursanalyse und der vor allem mit dem Namen Stephen Greenblatt verbundene New Historicism.

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