Max Kretzer. Die Großstadt als Herausforderung – eine Studie zum frühen Naturalismus

von Patrick Küppers

In den Jahren von 1860 bis 1900 entwickelte sich die Stadt Berlin von einer etwas verschlafenen Residenz zu einer Millionenstadt, zu einem weltweit beachteten Zentrum von Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Nirgendwo findet sich dieses wachsende Berlin so eingehend und literarisch so interessant geschildert wie in den Romanen, Novellen und Skizzen des heute fast völlig vergessenen Max Kretzer.

Die von mir untersuchten Texte, die Max Kretzer (1854-1941) zwischen 1880 und 1890 schrieb, sollten zur Lösung der sozialen Probleme beitragen. Kretzer suchte einem bürgerlichen Lesepublikum die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Arbeiter in den Vorstädten, in den Mietskasernen und Fabriken darzulegen. Darauf aufbauend analysieren Max Kretzers Texte strukturelle Schwächen im gesellschaftlichen Gefüge und die Punkte, an denen zur Findung einer Lösung anzusetzen sei.

Der große literarische Verdienst Max Kretzers besteht darin, mit dem „Berliner Roman“ den modernen Großstadtroman in Deutschland begründet zu haben. Das bedeutet, die Großstadt bildet in seinen Romanen nicht mehr nur den Hintergrund der Handlung, vielmehr ist sie zugleich Gegenstand und Protagonist des Romans. Bei der Darstellung der Großstadt folgte Max Kretzer ganz selbstverständlich naturwissenschaftlichen Methoden von Beobachtung und Experiment. Ferner orientierte er sich an ausländischer Literatur und an Texten unterhalb der „offiziellen“ Literatur wie den Kolportageromanen oder Feuilletons.

Max Kretzers literarischer Mut, der seinerzeit oft schockierte, ihn aber zu einem heute noch interessanten Autor macht, kennzeichnet ihn als wichtigen Bestandteil der künstlerischen Moderne.

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