“Kunst kann nur in Freiheit entstehen”: Walter Boehlich – eine Intellektuellenbiographie

Promotionsprojekt von Christoph Kapp

Walter Boehlich (1921-2006) galt vielen als der “Prototyp des kritischen Intellektuellen”. Seine Tätigkeitsfelder lassen sich grob in drei Kategorien einteilen: Literaturkritiker, Literaturvermittler, politischer Publizist.Von 1944-2001 veröffentlichte er Rezensionen in verschiedenen Periodika. Welchen Prämissen er dabei jeweils folgte und ob diese seinen eigenen, etwa im 1968 im “Kursbuch” erschienen “Autodafé” formulierten, Anforderungen an das Genre genügten, soll untersucht werden. Als Lektor bei Suhrkamp von 1957 bis 1968 und als Übersetzer und Herausgeber bestimmte Boehlich mit, welche Texte das Licht der Öffentlichkeit erblickten. Die Agenda, der er dabei folgte, wird verlags- und literaturgeschichtlich herausgearbeitet. Ziel der Dissertation ist zudem Boehlichs Wirken als politischer Publizist zeitgeschichtlich darzustellen und zu erklären, wie und warum aus dem liberalen Beobachter des politischen Geschehens ein engagierter linker Intellektueller wurde. Besonderes Augenmerk wird dabei auf Boehlichs anhaltender Beschäftigung mit der mangelnden Aufarbeitung des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik liegen.

Der Intellektuellenbiographie geht es also nicht nur im die Person Walter Boehlich, sondern auch um die Beschreibung eines intellektuellen Netzwerkes, das wesentlich zur Liberalisierung der öffentlichen Meinung
in der Bundesrepublik beitrug. Die Arbeit ist so auch ein Beitrag zur Geschichte der Publizistik und der politischen Kultur der Bundesrepublik.

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