Europa als Funktionsbegriff der Literaturgeschichte bei Curtius, Auerbach und Bachtin

Promotionsprojekt von Christoph Beck

Bonn, Saransk, Istanbul. Tausende Kilometer von einander entfernt entstehen in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts drei bis heute diskutierte Ansätze zur Konzeptionalisierung literarischer Tradierung: Ernst Robert Curtius’ Europäische Literatur und Lateinisches Mittelalter, Michail M. Bachtins Formen der Zeit und des Chronotopos im Roman und Erich Auerbachs Mimesis. Dargestellte Wirklichkeit in der abendländischen Literatur. Alle drei haben dabei eines gemeinsam: sie verlassen den Rahmen der Nationalliteratur und beziehen sich auf einen übergeordneten europäischen Standpunkt. Vor dem Hintergrund ihrer Entstehungszeit wird die gezielt politische Ausrichtung ihrer Konzepte offenbar. Auerbach im Exil, Bachtin in Verbannung und Curtius in innerer Emigration: alle drei wehren sich gegen ideologische Dogmatik und kulturpolitische Erstarrung, sie suchen nach Verbindendem in einer gespaltenen Welt und betonen die gesellschaftliche Verantwortung der Philologien. Dem Begriff der europäischen Kultur kommt dabei eine Schlüsselfunktion zu. In den letzten Jahrzehnten sind jedoch Vorstellungen eines einheitlichen europäischen Kulturhorizonts zunehmend problematisiert und zu Recht kritisiert worden. Im Fokus der Arbeit stehen daher die Funktionsverhältnisse zwischen Europa- und Literaturbegriff der Autoren.
Die Dissertation ist im Fachbereich Germanistik angesiedelt.

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