Eine Bürgerrechtsbewegung im Unrechtsstaat – Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in den Jahren 1933-1938

Promotionsprojekt von Johann Nicolai

Der 1893 als dezidiert jüdischen Abwehrverein gegen den politischen
Antisemitismus gegründete Centralverein (C.V.) stellte bis zu seiner
Auflösung 1938 die wichtigste Säule in der deutschen
Antisemitismus-Bekämpfung dar. War die ursprüngliche Tätigkeit noch vor
allem auf den politischen Antisemitismus ausgerichtet, weitete sich das
Engagement des C.V. vor allem in den Jahren der Weimarer Republik auf die
Themen Rechtsschutz und Aufklärung über das Judentum aus. Neben dieser
Arbeit „nach außen“ arbeitete der Centralverein auch an einer Gesinnung
der deutschen Juden, welche sich sowohl zu ihrem Deutschtum als auch zu
ihren jüdischen Wurzeln mit Stolz bekennen sollen. Der C.V. wandelte sich
mit dieser Arbeit zum „Gesinnungsverein“. Doch umfasst dieser
letztgenannte Begriff wirklich erschöpfend das Engagement des C.V.?

Das Dissertationsprojekt möchte sich der Arbeit des C.V. von zweierlei
Perspektive annähern: Erstens unter dem Aspekt einer Bürgerrechts- bzw.
Bürgerbewegung. Unter Heranziehung der amerikanischen Civil Right Movement
und der DDR-Bürgerrechtsbewegung soll geklärt werden, inwieweit die Arbeit
des C.V. auch als bürgerrechtlich beschrieben werden kann bzw. einen
Ansatz einer Bürgerrechtsbewegung darstellt.
Zweitens soll diese Betrachtung vorwiegend in den letzten Jahren des C.V.
geschehen, welche eine besondere rechtliche Belastung durch das totalitäre
nationalsozialistische Regime darstellte. Geklärt werden soll, inwiefern
der C.V. mit seinen bürgerlich-liberalen Idealen in dieser Zeit überhaupt
noch tätig werden konnte und worin letztlich sein Scheitern zu begründen
ist.

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