Berliner Kunstsammlerinnenkultur und weibliches Mäzenatentum. 1880-1933

Promotionsprojekt von Anna-Carolin Augustin

Die kulturelle Praxis des Sammelns und Stiftens von Kunst hatte im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine herausragende Bedeutung für das aufstrebende europäische (und amerikanische) Bürgertum. Das Stiften von Kunst spielte darüber hinaus eine zentrale Rolle im liberalen Modell der kulturellen Selbstorganisation einer bürgerlichen Gesellschaft. Insbesondere nach der Reichsgründung 1871 formte sich in Berlin, vor allem in Adaption französischer Vorbilder, eine ausgeprägte Privatsammlungskultur aus, die in enger Wechselbeziehung zu den staatlichen Kunstinstitutionen und ihren prägenden Vertretern, wie Wilhelm von Bode oder Hugo von Tschudi stand. Nicht nur durch das Stiften von Kunstwerken an Berliner Museen wurde das künstlerische Profil der Stadt geschärft und Einfluss auf den Kunstgeschmack- und Markt der Zeit genommen, sondern gleichsam auch über den innovativen, privaten Ankauf noch nicht etablierter Kunst.
Da bisher die Annahme dominierte, dass das Sammeln von Kunst in Berlin eine rein männliche Domäne gewesen sei wurde der vergleichsweise große Zahl von Sammlerinnen, die zu einem sehr hohen Anteil jüdischer Herkunft waren und sich in einigen Fällen modernen Kunstrichtungen öffneten, vernachlässigt. Da diesen teils erstklassigen Sammlungen bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde ist das Forschungsfeld der Berliner Kunstsammlerinnenkultur wissenschaftliches Desiderat. Die Dissertation will diesen interessanten Teil der sozialen Topographie der Berliner Sammlerkultur rekonstruieren und im damaligen Netzwerk des Berliner Kunstlebens wieder sichtbar machen. Insbesondere Fragen nach Formen jüdischer Verbürgerlichung und Frauenemanzipation sowie Diskurse um eine vermeintlich weibliche Form des Kunstsammelns und -Stiftens bilden zentrale Schwerpunkte der Arbeit.

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