Johann Nicolai

Johann Nicolai

Johann Nicolai studierte 2001 bis 2004 Judaistik, Philosophie und
Religionswissenschaft an der Freien Universität Berlin.
Nach Abschluss seiner Zwischenprüfung im Jahre 2004 absolvierte er im
Rahmen des ISAP-Programms ein Austauschjahr an der Hebräischen Universität
Jerusalem, welches er 2005 bis 2007 im Rahmen des Masterprogramms Jewish
Civilization der Rothberg International School verlängerte.

Das grundständige Studium an der Freien Universität schloss Johann Nicolai
im Wintersemester 2007/08 ab und trat im August 2008 ein Austauschjahr an
der Baltimore Hebrew University in den USA an, in dessen Rahmen er seine
Magisterarbeit verfasste und seine Studien um Aspekte des amerikanischen
Judentums erweiterte.

Nach seiner Rückkehr aus den USA entschied sich Johann Nicolai im Jahr
2010 für ein Praktikum in der Wiener Library in London.
Zu seinen Tätigkeiten gehörte die Erstellung eines Katalogs über die
Sammlung des Centralvereins, welches den Grundstein seiner Dissertation
bildet. Seit April 2011 gehört Johann Nicolai zu den Kollegiaten des
Walther-Rathenau-Kollegs der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
und arbeitet an seiner Promotionsarbeit über den Centralverein.
Der Arbeitstitel lautet:
Eine Bürgerrechtsbewegung im Unrechtsstaat – Der Centralverein deutscher
Staatsbürger jüdischen Glaubens in den Jahren 1933-1938.

Eine Bürgerrechtsbewegung im Unrechtsstaat – Der Centralverein deutscher
Staatsbürger jüdischen Glaubens in den Jahren 1933-1938

Der 1893 als dezidiert jüdischen Abwehrverein gegen den politischen
Antisemitismus gegründete Centralverein (C.V.) stellte bis zu seiner
Auflösung 1938 die wichtigste Säule in der deutschen
Antisemitismus-Bekämpfung dar. War die ursprüngliche Tätigkeit noch vor
allem auf den politischen Antisemitismus ausgerichtet, weitete sich das
Engagement des C.V. vor allem in den Jahren der Weimarer Republik auf die
Themen Rechtsschutz und Aufklärung über das Judentum aus. Neben dieser
Arbeit „nach außen“ arbeitete der Centralverein auch an einer Gesinnung
der deutschen Juden, welche sich sowohl zu ihrem Deutschtum als auch zu
ihren jüdischen Wurzeln mit Stolz bekennen sollen. Der C.V. wandelte sich
mit dieser Arbeit zum „Gesinnungsverein“. Doch umfasst dieser
letztgenannte Begriff wirklich erschöpfend das Engagement des C.V.?

Das Dissertationsprojekt möchte sich der Arbeit des C.V. von zweierlei
Perspektive annähern: Erstens unter dem Aspekt einer Bürgerrechts- bzw.
Bürgerbewegung. Unter Heranziehung der amerikanischen Civil Right Movement
und der DDR-Bürgerrechtsbewegung soll geklärt werden, inwieweit die Arbeit
des C.V. auch als bürgerrechtlich beschrieben werden kann bzw. einen
Ansatz einer Bürgerrechtsbewegung darstellt.
Zweitens soll diese Betrachtung vorwiegend in den letzten Jahren des C.V.
geschehen, welche eine besondere rechtliche Belastung durch das totalitäre
nationalsozialistische Regime darstellte. Geklärt werden soll, inwiefern
der C.V. mit seinen bürgerlich-liberalen Idealen in dieser Zeit überhaupt
noch tätig werden konnte und worin letztlich sein Scheitern zu begründen
ist.

“The Centralverein collection: A window into the Jewish struggle in
Germany between the wars” in AJR Journal, Volume 10 No. 7, July 2010

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