Jasmin Sohnemann

Jasmin Keller

Jasmin Sohnemann, 1980 in Hamburg geboren, 2000-2004 duales betriebswirtschaftliches Studium (FH Nordakademie), gefördert durch die Bauer Media Group; im Anschluss Tätigkeit für den Hamburger Hauptsitz. 2007/2008 Master-Studiengang „20th Century Literature and its Contexts“ in London (Goldsmiths, University of London). Seit 2008 zunächst in London, ab Ende 2009 in Hamburg freiberuflich als Texterin, Übersetzerin und PR-Beraterin für deutsche und britische Unternehmen tätig. Seit April 2012 Promotionsstipendiatin im Walther-Rathenau-Kolleg. Ihre Dissertation mit dem Titel „Arnold Zweig und Stefan Zweig in der Zwischenkriegszeit. Publizistisches Engagement, Beziehungsgeschichte und literaturwissenschaftliche Rezeption bis heute“ wurde 2017 von der Universität Potsdam angenommen und wird voraussichtlich 2018 veröffentlicht.

Das geteilte Selbstverständnis von Arnold Zweig und Stefan Zweig, als geistige Führer bzw. Erzieher zu wirken, bildet in dieser Dissertation den Ausgangspunkt für eine vergleichende Untersuchung ihres publizistischen Engagements, verbunden mit einer erstmaligen Aufarbeitung ihrer weitgehend unbekannten Beziehungsgeschichte sowie einer Darstellung der Rezeptionsgeschichten seit 1945. Denn im Gegensatz zu ihrem übereinstimmenden Rollenverständnis wurden diese Schriftsteller vorwiegend als äußerst unterschiedlich, mitunter geradezu gegensätzlich wahrgenommen: Arnold Zweig stand stets für eine zu gesellschaftspolitischen Fragen stellungnehmende, engagierte Literatur, Stefan Zweig vielfach für einen unpolitischen, psychologisierenden Ästhetizismus. Allerdings wurden wesentliche Teile ihrer zeitkritischen Publizistik bislang nicht oder kaum eingehender betrachtet. Auch ihre überwiegend unveröffentlichte, zwischen 1919 und 1940 entstandene Korrespondenz war bisher weitgehend unbekannt.

Diese erste systematische, kontextorientierte und textnahe Untersuchung eines großen Teils der Publizistik – darunter zahlreiche nicht nachgedruckte Zeitungsbeiträge und auch unveröffentlicht gebliebene Manuskripte – zeigt, in welchem Verhältnis diese Texte zu zentralen Fragestellungen und Debatten ihrer Zeit standen, welches Wissen sie aufgriffen, aus welchem Anlass sie verfasst, welche Standpunkte vertreten und welche Ziele verfolgt wurden.
Es wird nachgewiesen, dass beide Schriftsteller parteipolitisch unabhängige zeitkritische Publizisten in der Tradition eines idealistischen Aktivismus waren, die oft gleichlautende und unzeitgemäße, aber zum Teil retrospektiv wegweisende Forderungen stellten, etwa in Bezug auf eine europäische Einigung. Die Texte zeugen ferner von weitgehend übereinstimmenden weltanschaulichen Grundlagen, in denen teleologische Vorstellungen der idealistischen Philosophie, psychoanalytische Ideen, aber auch biblische Werte erkennbar sind. Ihre persönliche Beziehung war aber trotz dieser weitreichenden Gemeinsamkeiten zunehmend von Spannungen belastet, die einerseits auf charakterliche Unterschiede, andererseits auf Konkurrenzgefühle zurückgeführt werden. Die diametralen Zweig-Bilder, die im Wesentlichen erst nach 1945 in der BRD entstanden sind, erscheinen im Lichte dieser Erkenntnisse als Verzerrungen. Sie lassen sich auf die politischen Bedürfnisse im Kalten Krieg zurückführen, werden aber trotz veränderter politischer Rahmenbedingungen zum Teil bis heute fortgeschrieben und sind Ursache der andauernden Marginalisierung dieser Schriftsteller.

Die Arbeit mit dem Titel „Arnold Zweig und Stefan Zweig in der Zwischenkriegszeit. Publizistisches Engagement, Beziehungsgeschichte und literaturwissenschaftliche Rezeption bis heute“ wurde von Prof. Dr. Helmut Peitsch (Universität Potsdam) und Prof. Dr. Irmela von der Lühe (Freie Universität Berlin) begutachtet und im Frühjahr 2017 von der Universität Potsdam angenommen. Sie soll 2018 veröffentlicht werden.

Stand: Juli 2017

„,Ein Wort von Ihnen, dessen Haltung so eindeutig bestimmt ist’. Der Internationalist Stefan Zweig und der Zionist Arnold Zweig“. In: Gelber, Mark H. et al. (Hrsg.): Stefan Zweig. Jüdische Relationen. Studien zu Werk und Biographie. Schriftenreihe des Stefan-Zweig-Centre Salzburg, Bd. 7. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2017. S. 47-68.

„,…durch den Einsatz seines Lebens an eine einzige Idee: Europa zu retten’. Dichtung und Wahrheit in Stefan Zweigs Erinnerungen an Walther Rathenau“. In: Mitteilungen der Walther-Rathenau-Gesellschaft. Nr. 24. Leipzig: AVA, 2016. S. 5-20.

„,Er war kein Kerl ersten Ranges’ ¬– Zweig’sche Rathenau-Bilder und -Unfälle.“ In: Mitteilungen der Walther-Rathenau-Gesellschaft. Nr. 23. Leipzig: AVA, 2015. S. 25-38.

„,Der Kaufmann und der Künstler‘ Walther Rathenau und Stefan Zweig“. In: Brömsel, Sven et al. (Hrsg.): Walther Rathenau im Netzwerk der Moderne. Berlin: de Gruyter, 2014. S. 224-250.

Lenhart, Peter et al. (Hrsg.): Wo ist das Über-Ich und was macht es dort? Studien zu einem psychoanalytischen Begriff. Berlin: Parodos, 2014 (als Mitherausgeberin).

„Zwei Psychologen und ihre Freundschaft. Stefan Zweig und Sigmund Freud.” In: Müller, Karl (Hrsg.): Stefan Zweig – Neue Forschung. Schriftenreihe des Stefan-Zweig-Centre Salzburg. Bd. 3. Würzburg: Königshausen und Neumann, 2012. S. 73-98.

„Ein Psychoanalytiker als Literaturkritiker. Sigmund Freud interpretiert Stefan Zweigs Werk.” literaturkritik.de, 12 (2009). Online: www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=13741

Stand: Juli 2017

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