Frank Haase

geb. 1982 in Königstein im Taunus. Abitur an der Bischof-Neumann-Schule Königstein. 2002 Studienaufenthalt in Paris. Ab 2003 Studium der Geschichte, Germanistik und Musikwissenschaft in Freiburg im Breisgau. 2010/11 Staatsexamen in Germanisitk und Geschichte. Gesangsausbildung Klassischer Gesang (Bariton). Abschlussarbeit zu Moses Mendelssohns Ästhetiktheorie. Seit Oktober 2011 Kollegiat am Walther-Rathenau-Kolleg des Moses-Mendelssohn-Zentrums Potsdam. Thema der Dissertation: Moses Mendelssohn und die Judenemanzipation. Ein deutsch-französischer Ideentransfer vor 1789.

Gegenstand des Forschungsvorhabens ist der Aufklärer Moses Mendelssohn (1728–1786) mit seinen Bemühungen um die Emanzipation der Juden in Europa (ab 1773). Sie wirken sich zum einen im (noch weitgehend unerforschten) Aufbau projüdischer Netzwerke aus, z.B. im regen Austausch mit dem preußischen Diplomaten Christian Wilhelm von Dohm und dem französischen Politiker Honoré Gabriel de Mirabeau. Zum anderen manifestieren sie sich in seinen politischen Spätschriften, z.B. in „Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum“ (1783). In dieser seinerzeit vielbeachteten Abhandlung gelingt es Mendelssohn nicht nur, dem Judentum den Weg in die Moderne zu weisen, sondern auch ein hohes theoretisches Niveau in die europäische Debatte über die Aufgaben des Staats und der Religion zu erreichen, das sich deutlich von anderen Autoren der Zeit unterscheidet. So macht er z.B. die staatstheoretische Philosophie Spinozas, die der Vorgänger und „gelästerte Stammesgenosse“ (Bamberger) in seinem Politisch-theologischen Traktat (1661) und in seiner Ethica (1666) darlegt, fruchtbar und plädiert für einen staatlich garantierten Religionsliberalismus anstelle einer die Religion gänzlich verbannenden Säkularisation im konfessionell geprägten Staatswesen der Frühen Neuzeit.

Das Konzept dieses spinozanischen Liberalismus ist bislang von der Forschung kaum gewürdigt worden. Überhaupt hat man Mendelssohns innovative Adaption Spinozas missverstanden (insbesondere im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert) oder gänzlich verneint (im 20. Jahrhundert). Mehr oder weniger unhinterfragt blieb so das weitverbreitete antijüdische Vorurteil, Mendelssohn und andere jüdische Gelehrte hätten durch das „Übernehmen von Ergebnissen anderer“ (Staemmler 1944) nichts Neues zum wissenschaftlichen Diskurs beigetragen.

Das Forschungsvorhaben möchte diese Fehleinschätzung korrigieren. Insbesondere durch den Nachweis, dass führende französische Politiker Mendelssohns Schriften rezipiert und sich mit seinen Ideen zur Judenemanzipation produktiv auseinandergesetzt haben, soll ein deutsch-französischer Ideentransfer nachgezeichnet werden, der für die spätere europäische Judenpolitik folgenreich war. Zugleich soll einer Forschung widersprochen werden, für die die Französische Revolution den alleinigen Motor gesellschaftlicher Transformationsprozesse darstellt.

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