Christoph Kapp

Geboren 1977 in Potsdam. Studium der Philosophie, Literaturwissenschaft und Neueren Geschichte an der Freien Universität Berlin und der Universität Potsdam. Stipendiat der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit.
ckapp A T uni-potsdam.de

Walter Boehlich (1921-2006) galt vielen als der „Prototyp des kritischen
Intellektuellen“. Seine Tätigkeitsfelder lassen sich grob in drei
Kategorien einteilen: Literaturkritiker, Literaturvermittler,
politischer Publizist.Von 1944-2001 veröffentlichte er Rezensionen in
verschiedenen Periodika. Welchen Prämissen er dabei jeweils folgte und
ob diese seinen eigenen, etwa im 1968 im „Kursbuch“ erschienen „Autodafé“
formulierten, Anforderungen an das Genre genügten, soll untersucht
werden. Als Lektor bei Suhrkamp von 1957 bis 1968 und als Übersetzer und
Herausgeber bestimmte Boehlich mit, welche Texte das Licht der
Öffentlichkeit erblickten. Die Agenda, der er dabei folgte, wird
verlags- und literaturgeschichtlich herausgearbeitet. Ziel der
Dissertation ist zudem Boehlichs Wirken als politischer Publizist
zeitgeschichtlich darzustellen und zu erklären, wie und warum aus dem
liberalen Beobachter des politischen Geschehens ein engagierter linker
Intellektueller wurde. Besonderes Augenmerk wird dabei auf Boehlichs
anhaltender Beschäftigung mit der mangelnden Aufarbeitung des
Nationalsozialismus in der Bundesrepublik liegen.

Der Intellektuellenbiographie geht es also nicht nur im die Person
Walter Boehlich, sondern auch um die Beschreibung eines intellektuellen
Netzwerkes, das wesentlich zur Liberalisierung der öffentlichen Meinung
in der Bundesrepublik beitrug. Die Arbeit ist so auch ein Beitrag zur
Geschichte der Publizistik und der politischen Kultur der Bundesrepublik.

Rezension zu: Henning Marmulla: Enzensbergers Kursbuch. Eine Zeitschrift um 68. Berlin 2011, in: H-Soz-u-Kult, 22.03.2012, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2012-1-207

„Eine ganze Wohnung für mich…“. Fundstücke aus der Walter Boehlich-Bibliothek. In: Irene A. Diekmann u.a. (Hrsg.): „… und handle mit Vernunft“. Beiträge zur europäisch-jüdischen Beziehungsgeschichte. Hildesheim : Olms Verl., 2012, S. 622-629.

„… und die Toren entthronte ich mit den Jahren“. Walter Boehlichs
frühe Jahre – eine biografische Skizze. In: Helmut Peitsch und Helen
Thein (Hrsg.): Walter Boehlich. Kritiker, Berlin : Akademie-Verl., 2011, S. 17-40.

Rezension zu: Ines Sonder, Karin Bürger, Ursula Wallmeier (Hrsg.): „Wie würde ich ohne Bücher leben und arbeiten können?“. Privatbibliotheken jüdischer Intellektueller im 20. Jahrhundert, Verl. für Berlin-Brandenburg, Berlin 2008. In: Weimarer Beiträge, 3/2011, S. 469-473.

zusammen mit David Oels: Walter Boehlich. Kritiker (Interdisziplinäre Konferenz in Potsdam v. 4-6.12.2009). In: Zeitschrift für Germanistik, 3/2010, S. 654-657.

„Kritik ist eine moralische Aufgabe“. Leben und Werk Walter Boehlichs. In: Dialog, 4/2010, H. 49, S. 3. PDF

Tagungsbericht: Walter Boehlich. Kritiker. 04.12.2009-06.12.2009, Potsdam, in: H-Soz-u-Kult, 14.01.2010, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2947

Wie errichtet man eine demokratische Gesellschaft? Im Dezember widmet sich eine Konferenz in Potsdam dem Leben und Werk des Journalisten, Intellektuellen und Kritikers Walter Boehlich. In: Jüdische Zeitung, 46/2009, S. 21.

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