Antonia Schmid

Antonia Schmid, M.A., zunächst Studium der Humanmedizin, 2007 Abschluss mit Auszeichnung in Medien- und Kommunikationswissenschaft, Soziologie und Geschlechterforschung an der Georg-August-Universität Göttingen; 2007 dort Lehrbeauftragte im Fach Geschlechterforschung, seit 2008 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Politikwissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal, seit November 2010 Stipendiatin im Walther Rathenau-Kolleg Potsdam/ FU Berlin, Dissertationsprojekt zur „Ikonologie der „Volksgemeinschaft“. ,Deutsche‘,,Juden/Jüdinnen‘ und andere ,Andere‘ im Film der Berliner Republik”. Zahlreiche Vorträge und Publikationen zu den Schwerpunkten Kritische Theorie, Gender Studies und Cultural Studies, Politische Theorie, Film, Visuelle Kultur und Repräsentation.

Ikonologie der „Volksgemeinschaft“
,Deutsche‘,,Juden/Jüdinnen‘ und andere ,Andere‘ im Film der Berliner Republik

Die Transformation der politischen Struktur Deutschlands 1989/90 hat auch Auswirkungen auf die politische Kultur und damit auf das, was über ,Juden‘ und ,Jüdinnen‘ heute sag- und zeigbar ist. Gleichzeitig sind die Konstruktion der „Volksgemeinschaft“ und ihre Gegenbilder auch lange nach 1945 nicht verschwunden. Wie werden das deutsch-jüdische Verhältnis, der historische Antisemitismus und heutige Gemeinschaftsentwürfe sowie die entsprechenden In- und Exklusionslinien mit den Augen der Gegenwart dargestellt?

Obwohl Antisemitismus in Deutschland weiterhin stark verbreitet ist, gilt er in offiziellen Diskursen als illegitim. Auf diese Lücke zwischen öffentlicher und privater Meinung zielt das Projekt, indem es den gegenwärtigen deutschen Spielfilm als Medium kollektiver Identitätskonstruktionen untersucht. Welche Ikonografien werden tradiert, welche sind für Antisemitismus anschlussfähig? Mittels einer ikonologisch kontextualisierenden Visuellen Diskursanalyse werden kollektive Selbst- und Fremdbilder erhoben und in Bezug zur deutschen Gegenwarts- und Vergangenheitspolitik gesetzt.

Verzeichnis ausgewählter Veröffentlichungen und Vorträge

Publikationen

„One Nation on the Screen. ,Dresden‘, filmisches Erinnern und deutsch-deutsche Geschichtspolitik. In: Autor_innenkollektiv „Dissonanz“ (Hg.): Gedenken abschaffen. Kritik am Diskurs zur Bombardierung Dresdens 1945. Berlin: Verbrecher Verlag, 2013, S. 77-96.

“Alterophilia or Appropriating the Other: Images of ‘Jews’ and ‘Gentiles’ in Contemporary German Film.” In: Claudia Simone Dorchain/ Felice Naomi Wonnenberg (eds.): Contemporary Jewish Reality in Germany and its Reflection in Film. Berlin: de Gruyter, 2013, pp.17-36.

“Bridging the Gap: Image, Discourse, and Beyond – Towards a Critical Theory of Visual Representation.” In: Qualitative Sociology Review, Special Issue, 2011, 8(2): pp. 76-89. (http://www.qualitativesociologyreview.org/ENG/archive_eng.php).

“Visual Discourse Analysis. A Methodological Attempt to Take the Pictorial Turn Seriously.” In: Michael Gubo/ Martin Kypta/ Florian Öchsner (Hg.) (2011): Kritische Perspektiven: Turns, Trends und Theorien. Berlin: Lit. Pp. 301-327.

„Idolatrische Mimesis oder Wölfe im Schafspelz. Möglichkeiten und Grenzen des Spielfilms für Repräsentationen des Nationalsozialismus.“ In: Swen Steinberg/Stefan Meißner/Daniel Trepsdorf (Hg.): Vergessenes erinnern. Medien von Erinnerungskultur und kollektivem Gedächtnis (IMPULSE. Studien zu Geschichte, Politik und Gesellschaft 1), Berlin 2009, S. 83-103.

„Signifikante Andersheit als Paradigma: Naturecultures und Donna Haraways Companion Species“, in der Zeitschrift Phase 2, Heft 27, März 2008, S. 37-40.

„Der ,Feuersturm’ als Vollwaschprogramm: Zur Universalisierung des Opfers im Fernseh-Zweiteiler Dresden“. In: Kittkritik (Hg.) (2007): Deutschlandwunder. Wunsch und Wahn in der postfaschistischen Kultur. Mainz: Ventil Verlag, S. 141-158.

„No Subject. Warum ,Das Weibliche’ mit nichts identisch ist“ (als Hanne Herzberg), in der Zeitschrift Phase 2, Heft 15, März 2005, S. 67-70.

„Subject closed? Über Widersprüche in der Bestimmung des weiblichen Subjekts“, in der Zeitschrift Phase 2, Heft 13, September 2004, S. 16-20.

Rezensionen

Rezension von: Nathan Abrams: The New Jew in Film. Exploring Jewishness and Judaism in Contemporary Cinema, in: MEDAON – Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung, 7. Jg., 2013, Nr. 12, S. 1-6, online unter http://medaon.de/pdf/MEDAON_12_Schmid.pdf

Rezension von: Angela McRobbie: Top Girls. Feminismus und der Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes. In: Rita Casale/ Edgar Forster (Hg.) (2011): Jahrbuch Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft. Ungleiche Geschlechtergleichheit. Geschlechterpolitik und Theorien des Humankapitals. Opladen und Farmington Hills: Barbara Budrich, S. 200-206.

Rezension von: Mirjam Wenzel: Gericht und Gedächtnis. Der deutschsprachige Holocaust-Diskurs der sechziger Jahre, Göttingen 2009, in: Medaon – Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung, 4. Jg., 2010, Nr. 7, S. 1-7.

Rezension von: Catrin Corell: Der Holocaust als Herausforderung für den Film. Formen des filmischen Umgangs mit der Shoah seit 1945. Eine Wirkungstypologie. Bielefeld: Transcript 2009. In: Medaon – Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung, 4. Jg., 2010, Nr. 6, S. 1-6.

„Zur Bildtheorie von W.J.T. Mitchell“, Rezensionsaufsatz in der Sozialwissenschaftlichen Literatur Rundschau Nr. 58, Januar 2009, S. 140-142.

„Kritische und gutgemeinte Konstruktionen des Anderen“, Sammelrezension von Gayatri Chakravorty Spivak (2008): Righting Wrongs – Unrecht richten. Zürich/Berlin: diaphanes; und Shalini Randeria/Andreas Eckert (Hg.) (2009): Vom Imperialismus zum Empire. Nicht-westliche Perspektiven auf Globalisierung. Frankfurt a.M.: Suhrkamp. In: Kilby 2, Literaturbeilage der Zeitschrift Phase 2, Leipzig, H. 32, Juni 2009, S. 3-4.

„Zur Regierung von Unsicherheit“, Rezension von Evelyn Lu Yen Roloff (2007): Die SARS-Krise in Hongkong. Zur Regierung von Sicherheit in der Global City. Bielefeld: transcript Verlag. In: Kilby 2, Literaturbeilage der Zeitschrift Phase 2, Heft 28, Juni 2008.

Vorträge

17.5.2013 „Vom Bild zum Topos und zurück. Möglichkeiten und Grenzen Visueller Diskursanalyse des Films“, im Rahmen des Workshops Visuelle Analyse und Diskursanalyse des Forschungsprojektes Audiovisuelle Kulturen der Selbstthematisierung, Technische Universität Berlin

17.2.2013 „“You don’t look like a Jew at all!“ The ‘Jew/ess’ in Contemporary German Film About the Nazi past“. Vortrag am van Leer-Institut, Jerusalem, Israel

27.9.2012 „Ikonografien der Volksgemeinschaft. Individuum und Nation im Film der Berliner Republik“, im Rahmen der Konferenz der DVPW/ Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft: Die Versprechen der Demokratie, 24.-28. September 2012, Universität Tübingen

16.5.2012 „Antisemitismus der Anderen? Nation und Alterität im deutschen Film seit ,1989’“, am Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin

17.3.2011 “Ikonische Macht und Ideologie: Zur Kritischen Theorie Visueller Repräsentation“, im Rahmen der Konferenz der DVPW-Sektion Politische Theorie und Ideengeschichte: “Politische Macht im gesellschaftlichen Kontext“, Augsburg, 16.-18.3.2011

12.2.2011 “Who is the ‘Other’ today? Antisemitism and Alterity in German Film”, Symposium “Contemporary Antisemitism and Perceptions of the Holocaust,” Wiener Library Institute of Contemporary History, London.

22.10.2010 „Terror als Tragödie? Paradise Now in Rezeption und Kritik“, und „Die Gegenwart des Antisemitismus“, im Rahmen des Symposiums „Antisemitismus ohne Ende? Propaganda und Provokation im Film“ am Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg

1.10.2010 „Gemeinsame Geschichte(n)? Politische Gründungsmythen im deutschen Film seit ,1989’“, im Rahmen der Tagung „Politische Kultur in Deutschland 20 Jahre nach der staatlichen Vereinigung“, Akademie für Politische Bildung, Tutzing, 30.9.-2.10. 2010

22.9.2010 „Bridging the Gap: The Visible and the Articulable in Discourse Analysis”, Midterm Conference 2010 of Research Network 20: Qualitative Methods, European Sociological Association, University of Bayreuth, 20.-22.9.2010

24.8.2010 „Antisemitic Discourse in Contemporary German Film“,
im Rahmen der Konferenz „Global Antisemitism: A Crisis of Modernity“ an der Yale University, New Haven/ Connecticut, USA, August 23rd-25th, 2010

28.5.2010 „Visual Politics and the Dialectics of Representation. Doing Critical Theory after the ‘Pictorial Turn’”, im Rahmen des 6th International Congress of Qualitative Inquiry, May 26-29th 2010, University of Illinois, Urbana-Champaign, USA

9.1.2010 „Representing the Other? Zur Problematik von Darstellung und Vertretung im Film über Migration“, im Rahmen der Tagung „Identitäten in Bewegung. Migration im Film“, Universität Zürich, 8.-9.1.2010

22.11.2009 „Just Image, Picture or Text? Towards a Contextualized Analysis of Antisemitic Representations“, im Rahmen der internationalen Graduiertenkonferenz „Kritische Perspektiven: Turns, Trends und Theorien“ an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 20.-22.11.2009

29.1.2009 „Erinnerung und Geschichte in der medialen Verarbeitung – Die neuen deutschen Histotainment-Event-Movies“, Universität Dresden

5.12.2008 „Auf schmalem Grat: Der Spielfilm als Medium nationaler Erinnerungskultur“, im Rahmen der interdisziplinären Tagung „Zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Medien von Erinnerungskultur, Geschichtsbewusstsein und kollektivem Gedächtnis“, 4.-7.12.2008, Dresden.

11.5.2008 „Do it again, ZDF! Die kollektive Viktimisierung Deutscher in den neuen Event-movies im Kontext von Erinnerungsabwehr und Antisemitismus“, im Rahmen des Kongresses „Deutschlandwunder. Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur“, 9.-11.5.2008, Bremen.

Antonia Schmid, M.A., first studied medicine, then graduated with honors in media- and communication science, gender studies and sociology at the Georg-August-University of Göttingen, Germany. There she has worked as a lecturer, and later as a research and teaching assistant in political science at the University of Wuppertal, Germany.
She now holds a doctoral scholarship as a member of the Walther Rathenau Graduate School at the Moses Mendelssohn Centre in Potsdam, Germany. Her dissertation “Iconology of the “Volksgemeinschaft”. ‘Germans‘, ‘Jew/esses’ and other ‘Others’ in the Berlin Republic´s Cinema” examines contemporary images of self and other in visual culture.