Symposium: Walther Rathenau im Netzwerk der Moderne (7.-8. Juni 2012)

Walther Rathenaus Tätigkeit erstreckte sich auf zahlreiche Bereiche des gesellschaftlichen  Lebens. Als Intellektueller, Unternehmer und Minister, als Verfasser zahlreicher Schriften und unzähliger Briefe war Rathenau wichtiger Akteur innerhalb von Netzwerken, die in Wirtschaft, Politik, Publizistik und Kunst reichten. Damit war Rathenau Mitgestalter einer Epoche voller Umbrüche und Konflikte, welche das zweite Kaiserreich, den Ersten Weltkrieg, die Novemberrevolution und die ersten Jahre der Weimarer Republik umspannt. 

Die charakteristischen Merkmale seiner Zeit prägten Walther Rathenau, machen ihn zu einem prominenten Exponenten der Moderne. Er begleitete kritisch die Technisierung aller Lebensbereiche, die Herausbildung der Massengesellschaft in den Großstädten, den Zionismus und allgemein die verschiedenen Gesellschaftsentwürfe, an deren theoretischer Diskussion er beteiligt war, deren teilweise Umsetzung er erlebte und mitgestaltete. Überdies pflegte Rathenau stets den Austausch mit bedeutenden Vertretern der Literatur und der bildenden Kunst.

Das Walther-Rathenau-Kolleg widmet sich im Rahmen eines Symposiums anläßlich des 90. Jahrestages der Ermordung Walther Rathenaus einer Annäherung an seine Person und Zeit.

Details zum Programm hier: Programm Rathenau Symposium

Programm Sommersemester 2012

Zum Sommersemester begrüßt das Walther-Rathenau-Kolleg vier neue Kollegiat_innen: Christoph Beck, Jasmin Keller, Anja Schröter und Dirk Schuck.

Sie werden in den kommenden Sitzungen des Kollegs ihre Projekte präsentieren. Mehr zum Programm für dieses Semester hier: Programm Sommersemester

Kant und Mendelssohn kommen auf die Bühne und sind vernünftig

Über das Wochenende vom 16.-18. März fand in Halberstadt die in diesem Semester letzte Episode der vom Walther Rathenau Kolleg organisierten Seminarreihe über den Vernunftbegriff im Liberalismus statt. Auch wenn unser Intendant der ersten Teile über Vernunft und Freiheit im 20. und dem 19. Jahrhundert, Christian Dietrich, diesmal nicht mehr mit dabei war, sondern nur noch organisatorisch soufflierte, waren am Ende alle TeilnehmerInnen, selbst mit dem abschließenden gemeinsamen Mittagessen zwischen den Zähnen, noch in der Laune über Gott und die Welt der Aufklärung zu diskutieren.

Inhaltlich setzten wir uns mit der Verbindung von Liberalismus und Vernunft im 18. Jahrhundert auseinander, einer Verbindung, die mit dem Hinweis auf die liberal gesinnte Aufklärungsbewegung eigentlich abgehakt zu sein scheint. Doch worin genau liegen eigentlich deren politische und intellektuelle Verdienste?
Einen ideengeschichtlichen Eindruck vom Ende des 18. Jahrhunderts, gab uns zuerst Prof. Dr. Iwan-Michelangelo D’Aprile, mit einem hoch aktuellen Vortrag über Staatsschuldendebatten zu jener Zeit. Insbesondere der Wechsel von einem in Fässern oder Truhen gebunkerten Staatsschatz, zu einem kreditbasierten Anleihesystem, das zuerst im imperialistischen England eingeführt wurde, erregte damals die Gemüter aus den unterschiedlichsten politischen Lagern. Als besonders radikale Gegner des neuen Systems zeigten sich dabei, so D’Aprile, Kant und Fichte, die Staatsschulden schlichtweg verbieten wollten, eine Position, die er als weniger politisch-liberal, sondern eher als spezifisch deutschen Typus einer philosophisch-idealistischen Haltung bezeichnete.

Anhand der Lektüre von Texten Kants und Mendelssohns näherten wir uns anschließend Fragen, denen bei der Behandlung der Aufklärung meist weniger Beachtung geschenkt wird: der Rolle der Vernunft in der Geschichte und in den Religionen.
Zur Beantwortung der ersten Frage eröffnete uns zunächst Christoph Kapp einen biographisch-empirischen Zugang zum Werk Kants, den Valerie Waldow anschließend, der Kantschen Zwei-Welten-Lehre gemäß, um eine systematisch-transzendentale Einführung erweiterte, wodurch wir mit der Idee vertraut wurden, dass es für Kant wahre Freiheit nur im Reich der Vernunft, bzw. des vernünftig bestimmten Willens gibt. Da Kant von einer grundsätzlich zweiseitigen und ungehobelten menschlichen Natur ausgehe, bleibe diese Freiheit stets ein Ideal, das erst durch den Fortschritt der Geschichte und die Errichtung vernunftgemäßer Institutionen erreicht werde. Um ein einfaches Bild zu bemühen, bildet die Geschichte bei Kant also eine Art Brücke zwischen transzendental-vernünftiger und empirischer Welt.

In Bezug auf die zweite Frage nach der Rolle der Vernunft in der Religion wurden wir dann von Johann Nicolai eingeführt in das Leben des jüdischen Aufklärers Moses Mendelssohn. Schon in Hinblick auf die vielen Vorurteile und gesellschaftlichen Blockaden, denen sich Mendelssohn als Jude im preußischen Staat gegenübersah, wurde dabei deutlich, dass Kants optimistisches Geschichtsbild für ihn geradezu eine Zumutung dargestellt haben muss. Als faszinierend und diskussionswürdig gleichermaßen, erwies sich im Anschluss Mendelssohns Religionsphilosophie, die Dekel Peretz vorstellte. Neben Mendelssohns Versuch einer rationalen Rekonstruktion des Judentums und einer klaren Trennung der Machtbefugnisse von Staat und Kirche stand dabei vor allem sein Eintreten für religiöse Toleranz im Vordergrund. Dass diese Toleranz sich allerdings nicht auch auf Atheisten erstreckte, weckte den Verdacht eines untergründig religiös fundamentierten Vernunftbegriffs.

Es kann als glücklicher Zufall, vernünftige Naturabsicht oder göttliche Fügung gesehen werden, dass in Halberstadt eines der ältesten deutschen Literaturmuseen, das Gleimhaus, steht, das wir an unserem letzten Tag besuchten, um uns ein noch genaueres Bild vom Intellektuellen-Leben im 18. Jahrhundert zu machen. Erstaunt waren wir dabei unter anderem von der Art des „Pazifismus“ des „armen Grenadiers“ Gleim, den mit zahlreichen anderen Denkern und Literaten dieser Zeit nicht nur eine Freundschaft (unter anderem mit Mendelssohn!) verband, sondern auch eine anhimmelnde Verehrung des gar nichts so pazifistischen Geldfälschers Friedrichs des II.

Zuletzt bleibt der Dank an alle Referenten und an die Naumann-Stiftung und ihre MitarbeiterInnen, vor allem Frau Liermann, die uns die Organisation des Seminars, das als Pflichtseminar Philosophische Grundlagen für die StipendiatInnen der Naumann-Stiftung angeboten wurde, ermöglicht haben. Mit einem Seminar zu ‚Vordenkerinnen des Liberalismus‘ ist die Fortsetzung der bewährten Seminarreihe schon in Planung.

C. Reichhold

„In allem ist Vernunft“?

Das zweite vom Walther-Rathenau-Kolleg organisierte Seminar in der Veranstaltungsreihe über „Freiheit und Vernunft“ fand vom 13. bis 15. Dezember in der Moses Mendelssohn Akademie in Halberstadt statt und bemühte sich um einen Vergleich von Max Stirner und Friedrich Naumann

Das Walther-Rathenau-Kolleg bewegt sich in der Zeit zurück. Um die Geschichte des Vernunftbegriffes nachzuzeichnen, in dessen Tradition sich auch der gegenwärtige politische Liberalismus zu stellen sucht, lesen die Stipendiaten des Kollegs zusammen mit Interessierten aus der Stiftung klassische Texte zum Verhältnis von Liberalismus und Vernunftdenken. Dabei machen sie auf der Zeitreise von der Gegenwart zurück in die Aufklärung dreimal Halt. Nachdem sich die Seminarteilnehmer im September mit den Vernunftvorstellungen in den Werken von Horkheimer, Hayek und Habermas beschäftigten, standen mit Max Stirner und Friedrich Naumann während des letzten Seminars zwei Denker im Mittelpunkt, die auf den ersten Blick kaum etwas verbindet.
Wird Max Stirner im liberalen Spektrum als Vordenker des Anarchokapitalismus rezipiert, spaltet Friedrich Naumann die Gemüter. Für die einen ist er demokratischer Vermittler zwischen den Nationen und liberaler Ideengeber der Weimarer Verfassung, für die anderen ist er einer der nationalchauvinistischen Vordenker deutschen Expansionsstrebens. Sind dem Werk Naumanns verschiedene Texte zuzuordnen, deren Rahmen von der Monographie bis zur Propagandaschrift reicht, ordnet man Stirner dieses eine Buch zu, von dem die Meisten dann doch nur den Titel kennen: „Der Einzige und sein Eigentum“.
Nun kommt zwar jede Verkürzung nicht von ungefähr und enthält oft einen wahren Kern, dennoch tut man mit zu viel Vereinfachung beiden Autoren Unrecht. Stirners Begriff des Eigentums, der letztendlich nur auf Gewalt beruht, sowie seine bei aller Beschwörung blass bleibende Konzeption des Einzigen und seines Vereins sind für einen liberalen Gesellschaftsentwurf kaum anschlussfähig. Naumanns Werk hingegen umfasst Sinnvolleres als jene Stellen aus dem „Nationalsozialen Katechismus“, über die in den vergangenen Monaten gestritten wurde. Es gab also genug Gründe, um sich beiden wieder zu nähern. Neben der Textexegese des Liberalismuskapitels aus Stirners „Einziger“ und Naumanns „Vaterland und Freiheit“ beschäftigten sich die Seminaristen mit der Geschichte des Liberalismus im 19. Jahrhundert, um den jeweiligen Text nicht losgelöst von der Realgeschichte zu behandeln. Hilfe bekam das Kolleg von PD Dr. Christian Jansen, der über die deutsche Nationsbildung zwischen 1848 und 1871 referierte. Wer die politische Krise und Selbstbehauptungsversuche des deutschen Bürgertums nach der misslungenen Revolution betrachtet, weiß anschließend auch woher die Wandlungen des Liberalismus kommen. Die Teilnehmer der Veranstaltung wissen es jetzt und laden alle Interessierten ein, beim nächsten Seminar im März mehr über Immanuel Kant und Moses Mendelssohn zu erfahren.

Christian Dietrich

Promotionsstipendien am Walther-Rathenau-Kolleg: nächste Auswahlrunde, Bewerbungsfrist 30. November 2011

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) und das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien (MMZ) vergeben im nach Walther Rathenau benannten Graduiertenkolleg Promotionsstipendien zum Thema „Liberalismus und Demokratie. Zur Genealogie und Rezeption politischer Bewegungen von der Aufklärung bis zur Gegenwart“. Das interdisziplinär angelegte Thema eröffnet Möglichkeiten für verschiedene Forschungsansätze. So werden Dissertationen gefördert, die im Zusammenhang mit Liberalismus und/ oder demokratischen Bewegungen seit dem 18. Jahrhundert stehen.

Der Bewerbungstermin für das Jahr 2012 ist der 30. November 2011 (Poststempel). Das nächste Auswahlgespräch findet vom 24. bis 26. Februar 2012 in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach statt.

Genauere Informationen zu Ausschreibung, Bewerbungsunterlagen und Bewerbungsbogen hier: Informationen Bewerbung

Programm Wintersemester 2011/12

Zum Wintersemester begrüßt das Walther-Rathenau-Kolleg vier neue Kollegiat_innen: Steffi Bahro, Sebastian Brünger, Frank Haase und Dekel Peretz.

Sie werden in den kommenden Sitzungen des Kollegs ihre Projekte präsentieren. Mehr zum Programm für dieses Semester hier: Programm Wintersemester 2011/12

Mit tripple-H der Vernunft auf der Spur

Mit tripple-H der Vernunft auf der Spur – ein Nachtrag zum ersten Seminar der Seminarreihe “Freiheit und Vernunft – zum Vernunftbegriff im Liberalismus” an der Moses Mendelssohn Akademie Halberstadt, 5.-7. September 2011

Hayek, Horkheimer und Habermas haben in dieser Abfolge augenscheinlich nichts miteinander gemein und trotz der Alliteration geht die Aufzählung irgendwie nicht auf. Entweder man urteilt biographisch und sieht mit Hayek und Horkheimer zwei, die -allerdings aus ganz unterschiedlichen Gründen- die Zeit des Nationalsozialismus außerhalb Deutschlands verbrachten, oder man bezieht Habermas auf Horkheimer, was freilich nicht lange standhält, nennt es Frankfurter Schule und weist Hayek einen Platz auf dem Pausenhof zu. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des vom Walther-Rathenau-Kolleg organisierten Lektürezirkels „Freiheit und Vernunft. Zum Vernunftbegriff des Liberalismus“ trauten sich, hintereinander alle drei Autoren zu lesen und ihre Werke auf den jeweiligen Vernunftbegriff hin zu untersuchen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie die Rolle der Vernunft denn nun genau aussieht, welchen Stellenwert ihr in der jeweiligen Theorie beigemessen wird und was die Denker mit einer Vernunfttradition gemein haben, die ideengeschichtlich wohl das Adjektiv „liberal“ verdient. Eine ganze Menge, und dann doch aber nicht so viel, lautet die zögerliche Antwort nach drei Tagen intensiver Diskussionen. Was dabei herauskam? Mit einem Satz: Hayek, der von den drei Autoren am raschesten mit dem Liberalismus assoziiert wird, geht eher von einem schwachen Begriff der Vernunft auf, Horkheimer sieht sie zunehmender Instrumentalisierung ausgesetzt und Habermas bewahrt sie im Begriff des kommunikativen Handels auf. Das ist natürlich nur die Viertelwahrheit, doch muss, wer mehr wissen will, sich für das nächste Seminar anmelden, das im Dezember in der Moses Mendelssohn Akademie stattfinden soll und in dem wir noch tiefer in die Geschichte des deutschen Liberalismus eintauchen. Was, so werden wir dann im zweiten Seminar der Veranstaltungsreihe über „Freiheit und Vernunft“ fragen, passierte eigentlich im 19. Jahrhundert mit den Liberalen, dass in der ersten Hälfte des Jahrhunderts ein Linkshegelianer den Bezug zu ihnen sucht, den dann um 1900 ein Leipziger Pfarrer findet. Über rege Teilnahme würden sich die Organisatoren aus dem Walther-Rathenau-Kolleg dann wieder sehr freuen.

Christian Dietrich

Seminarreihe „Freiheit und Vernunft – zum Vernunftbegriff im Liberalismus“ an der Moses Mendelssohn Akademie Halberstadt

Vom 5.-7. September 2011 findet an der Moses-Mendelssohn-Akademie in Halberstadt für Stipendiat_innen der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit Teil 1 der Seminarreihe zum Thema „Freiheit und Vernunft – zum Vernunftbegriff im Liberalismus“ statt. Die als Lektüreseminar konzipierte Veranstaltung wird von Stipendiat_innen des Walther-Rathenau-Kollegs organisiert und widmet sich diesmal den Vernunftbegriffen von Friedrich August von Hayek, Max Horkheimer und Jürgen Habermas.

zum Programm: Seminar Freiheit und Vernunft

Das WRK geht in die Semesterpause

Sommerfest und Aufbruchsstimmung

Aus der Moses-Mendelssohn-Akademie in Halberstadt zurückgekehrt, wohin sich die Kollegiat_innen des Walther-Rathenau-Kollegs vom 15. und 16. Juli zurückzogen, um das kommende Semester inhaltlich vorzubereiten, fand die Abschlusssitzung des Sommersemester 2011 am letzten Montag, den 18. Juli statt. Nach der Veranstaltung saßen Professorium und Promovierende noch lange zusammen im Hof des Moses-Mendelssohn-Zentrums am Neuen Markt und diskutierten über das vergangene Semester, kommende Aufgaben und laufenden Dissertationsprojekte. Größtes Gesprächsthema blieb aber die Walther-Rathenau-Konferenz, die im nächsten Sommer in Potsdam stattfinden und vom Kollegium schon jetzt in einem Lektürezirkel inhaltlich vorbereitet wird. Ziel der Veranstaltung soll es sein, das brisante politische Leben Rathenaus im Spiegel seiner Zeit darzustellen.

Promotionsstipendien am Walther-Rathenau-Kolleg: nächste Auswahlrunde, Bewerbungsfrist 31. Mai 2011

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) und das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien (MMZ) vergeben im nach Walther Rathenau benannten Graduiertenkolleg Promotionsstipendien zum Thema „Liberalismus und Demokratie. Zur Genealogie und Rezeption politischer Bewegungen von der Aufklärung bis zur Gegenwart“. Das interdisziplinär angelegte Thema eröffnet Möglichkeiten für verschiedene Forschungsansätze. So werden Dissertationen gefördert, die im Zusammenhang mit Liberalismus und/ oder demokratischen Bewegungen seit dem 18. Jahrhundert stehen.

Der Bewerbungstermin für das Jahr 2011 ist der 31. Mai 2011 (Poststempel). Das nächste Auswahlgespräch findet vom 26. bis 28. August 2011 in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach statt.

Genauere Informationen zu Ausschreibung, Bewerbungsunterlagen und Bewerbungsbogen hier: Informationen Bewerbung