Liberalismus und Demokratie

Zur Genealogie und Rezeption politischer Bewegungen von der Aufklärung bis zur Gegenwart

Das Walther Rathenau Kolleg wurde im Mai 2010 gemeinsam vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien (MMZ) und der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) eingerichtet. Getragen von den beiden Einrichtungen sowie von Professor_innen der Universitäten der Region (Universität Potsdam, Humboldt-Universität Berlin, Freie Universität Berlin) bietet es besonders qualifizierten Doktorand_innen ein ausgezeichnetes wissenschaftliches Umfeld zur Umsetzung ihrer Promotionssprojekte.

Im Graduiertenkolleg werden Dissertationen gefördert, die im Zusammenhang mit Liberalismus und/oder demokratischen Bewegungen seit dem 18. Jahrhundert stehen. Das interdisziplinär angelegte Thema eröffnet dabei Möglichkeiten für verschiedene Forschungsansätze aus den Geistes- und Sozialwissenschaften (Sozial-, Wirtschafts- und Rechtsgeschichte, Politikwissenschaft, Literaturwissenschaft, Gender Studies, Medienwissenschaft und Philosophie) und einen der Komplexität des Themas entsprechenden Austausch über Perspektiven und Methoden. Das Forschungsprogramm beinhaltet folgende thematische Schwerpunkte:

– Krise und Zukunft des demokratischen Verfassungsstaates
– Kontinuitäten und Diskontinuitäten im europäischen Nachkriegsliberalismus
– Die Entstehung und Entwicklung einer bürgerlichen Frauenbewegung vor dem Hintergrund
  der Liberalisierung europäischer Gesellschaften
– Liberal-demokratische Erinnerungskulturen im europäischen Vergleich
– Jüdische Biographien in den liberalen Bewegungen
– Antisemitismus und die Kritik der politischen Moderne

Neben dem interdisziplinären Forschungsprogramm wird die Arbeit der Kollegiat_innen durch ein gemeinsames Studienprogramm gefördert, zudem sind halbjährliche Arbeitswochenenden für die gemeinsame Erarbeitung theoretischer Grundlagen sowie gemeinsame Publikationsprojekte und die Organisation entsprechender Tagungen vorgesehen. Die Anwesenheit von Gastwissenschaftler_innen aus dem In- und Ausland und ein vom Professorium begleitetes regelmäßiges Kolloquium bieten den Doktorand_innen sowohl die Möglichkeit der Reflexion auf Grundlagen des eigenen Forschens als auch die frühzeitige interdisziplinäre Vernetzung im Forschungsfeld.

Mit seiner Namenswahl erinnert das Kolleg an den liberalen Industriellen, Publizisten und Politiker Walther Rathenau (1867-1922). Auch wenn die Erforschung seiner Biographie nicht im Vordergrund des Kollegs steht, so fokussiert sich in Rathenaus Leben und Werk sowohl deutsche Ideen- und Demokratiegeschichte als auch deutsch-jüdische Geschichte in einzigartiger Weise und bietet damit den idealen Rahmen für den gewählten Themenschwerpunkt „Liberalismus und Demokratie“.